Elektrofahrräder: etablierter Trend

Elektrofahrräder: etablierter Trend

Elektrofahrräder, die vor 2010 noch an technischen Schwächen litten, haben sich inzwischen vollständig etabliert. Sportler setzen sie ebenso gern ein wie Hobbyradler mit Lust auf weite Strecken und nicht zuletzt große Unternehmen wie die Post, die sie ihren Boten als Dienstfahrzeug zur Verfügung stellt. Die Verkaufszahlen gehen in die Millionen und steigen stetig. Bei den Fahrrädern mit Motorunterstützung muss zwischen E-Bikes und Pedelecs unterschieden werden.

Was sind Pedelecs?

Als Pedelecs werden diejenigen Elektrofahrräder bezeichnet, bei denen der Fahrer durch Treten (“Pedalieren”) die Geschwindigkeit elektrisch steuert. Der Gesetzgeber schreibt eine Leistungsgrenze des Motors von 250 Watt und maximal 25 km/h als rein elektrisch erreichbare Geschwindigkeit vor. Natürlich können die Fahrer durch eigene körperliche Leistung schneller fahren. Ein durchschnittlicher Radfahrer leistet etwa 100 Watt. Durch diese technische Regelung sind Pedelecs dem Fahrrad verkehrsrechtlich gleichgestellt: Fahrer benötigen kein Versicherungskennzeichen, keine Zulassung und auch keinen Führerschein. Auch Helmpflicht oder Altersbeschränkung bestehen nicht, wenn auch der Helm selbstverständlich empfohlen wird. Doch es gibt auch sogenannte S-Pedelecs, nämlich Speed-Pedelecs, wie weitaus schneller fahren können. Diese gehören verkehrsrechtlich zu den Kleinkrafträdern, weil sie zwar technisch wie ein Pedelec funktionieren, aber rein elektrisch bis 45 km/h schnell werden können. Der Gesetzgeber erlaubt eine Motorleistung bis zu 500 Watt. Daraus resultieren einige gesetzliche Besonderheiten: Es ist eine Betriebserlaubnis erforderlich, die in der Regel der Hersteller als Einzelzulassung vom Kraftfahrtbundesamt (KBA) bezieht. Das Elektrofahrrad muss versichert werden (rund 70 Euro jährlich), der Fahrer muss mindestens 16 Jahre alt und im Besitz der Fahrerlaubnis Klasse AM sein. Auch der Schutzhelm ist vorgeschrieben, für den es bislang (2015) keine echte Norm gibt. Dieses S-Pedelec wird wie ein Mofa betrachtet und darf dementsprechend nur dann auf Radwegen fahren, wenn diese für Mofas freigegeben wurden.

E-Bikes: echte E-Mofas

E-Bikes ähneln den S-Pedelecs sehr stark, jedenfalls in verkehrsrechtlicher Hinsicht. Auch sie fahren rein elektrisch relativ flott und sind mit Motoren um oder gar über 500 Watt ausgestattet, müssen also versichert werden und verlangen die oben beschriebene Fahrerlaubnis und einen Helm, wenn sie rein elektrisch über 20 km/h schnell werden. Es gibt einen technischen Unterschied zu den S-Pedelecs: E-Bikes ermöglichen das Regulieren der Motorleistung durch einen “Gasgriff” am Lenker wie bei jedem Mofa, Moped oder Motorrad. Damit können sie ohne Tritt in die Pedale bewegt werden. E-Bikes und S-Pedelecs sind sehr selten, ihr Marktanteil liegt in Deutschland unter fünf Prozent. Jedoch hat sich die Begrifflichkeit “E-Bike” stark durchgesetzt. Viele Händler bezeichnen ihre gewöhnlichen Pedelecs mit Motoren bis 250 Watt auch als E-Bikes.

Was sollten Käufer beachten?

Die Entwicklung von Pedelecs und E-Bikes ist in den Jahren seit 2010 rasant vorangeschritten, vor allem die Akkutechnologie hat einen großen Entwicklungssprung gemacht. Das war der schwächste Punkt der frühen Elektrofahrräder. Doch der hochwertige Spaß hat seinen Preis: Im Jahr 2015 sollten Käufer für ein langlebiges, leistungsfähiges Elektrofahrrad mit gutem Akku auf Lithium-Ionen-Basis um 2.000 Euro oder mehr einkalkulieren. Mit den preiswerteren Rädern haben die Kunden häufig nicht sehr lange ihre Freude, vor allem die Akkus verschleißen dann schnell. Einen Ersatzakku sollten Radler ohnehin einplanen, wenn sie länger unterwegs sein möchten. Moderne Akkus halten sechs Jahre und auch etwas länger, wenn sie gut behandelt werden. Je nach Bauart können sie rund 1.000 bis 1.500 Ladezyklen verkraften, allerdings nicht die Billigangebote aus dem Discounter oder Baumarkt. Für diese Fahrräder gibt es zudem manchmal keine Ersatzteile, Fachhändler möchten sie oft nicht reparieren. Da der Akku der kritischste Punkt bleibt, sollten die Käufer in dieser Hinsicht nicht sparen. Natürlich sind sehr hochwertige Akkus nicht billig. Von Bosch gibt es aktuell eine Ausgabe für über 700 Euro, der Gepäckträgerakku wiegt aber nur drei Kilogramm, basiert auf japanischer Li-Ionen-Technologie, kann mit einem Schnellladegerät direkt am E-Bike aufgeladen werden und bringt für die lange Lebensdauer das Bosch Zellbalancing mit. Der Hersteller gibt 24 Monate Garantie. Mit solchen Akkus schaffen Radler, die auch ein wenig selbst in die Pedale treten, rund 100 Kilometer – dann kann der Ersatzakku eingesetzt werden. Bei der Anschaffung sollte auf die Wattstundenzahl geachtet werden, der hier vorgestellte Akku leistet 612 Wh. Alles unter 300 Wh gilt als zu schwach.

Optimale Bauart von Elektrorädern

Ein Elektrofahrrad ist natürlich schwerer als ein normales Fahrrad, je nach Rahmen-, Akku- und Motorgewicht beträgt die Mehrlast sechs bis zehn Kilogramm. Es benötigt daher starke hydraulische Bremsen. Unterschiede gibt es bei der Unterbringung des Antriebs: Er kann im Vorder- oder Hinterrad und auch in der Mitte des Rades sitzen. Das Fahrgefühl unterscheidet sich dementsprechend, doch eindeutige Vor- oder Nachteile einer Bauart lassen sich kaum feststellen. Kunden sollten daher das Rad möglicherweise vor dem Kauf ausprobieren (was beim Online-Kauf nicht möglich ist). Die Elektroräder tragen üblicherweise ein GS- und ein CE-Zeichen, damit sind die Sicherheit und die störungsfreie Elektronik garantiert. Auskunft über die mehr oder weniger gute Gebrauchstauglichkeit liefern diese Zeichen nicht. Die Angaben zur Reichweite und den Kosten (neben der Anschaffung auch für einen Ersatz-Akku und die Wartung) müssen die Kunden selbst recherchieren. Elektrofahrräder können bauartlich Trekking-, Lasten-, BMX- oder Liegeräder sein. KäuferInnen müssen sich also fragen, wie sie das Rad nutzen werden. Hierzu gibt es folgende Hinweise:

  • Ein Stadtrad muss wendig sein und braucht daher keine 28″-Laufräder. Gute Bremsen sind aber unabdingbar, auch sollten FahrerInnen anfangs eine Notbremsung üben.
  • Das Landrad profitiert von großen Laufrädern, auch sollte es mit einem Gepäckträger und zwei Seitentaschen ausgestattet sein.
  • Die BMX-Räder für die Fahrt über Stock und Stein brauchen ein gutes Gewichtsverhältnis und pannensichere Reifen mit bestem Profil und Grip. Solche Räder fahren idealerweise mit einem Mittelmotor.
  • Wer das Elektrofahrrad im Auto mitnehmen möchte, kann ein elektrisches Faltrad anschaffen. Für längere Touren gibt es natürlich Elektroräder mit Anhängerkupplung.

Batterie: Unterbringung und Ladung

Es gibt Elektrofahrräder mit fest eingebautem Akku, die natürlich nur dort aufgeladen werden können, wo sie ihr Besitzer neben einer Steckdose parken kann. Herausnehmbare Akkus mit gesondertem Ladegerät sind fast immer zu bevorzugen. Zu beachten ist für die E-Radler, dass der Akku vor Tiefenentladung zu schützen ist: Er lässt sich sonst nicht mehr aufladen, weil seine interne Elektronik das Ladegerät nicht mehr erkennt und/oder weil seine Chemie irreversibel beschädigt wurde. Die Hersteller geben in der Regel an, wie lange der Akku bei welcher Temperatur gelagert werden kann – etwa im Winter bei starkem Frost in der Garage. Idealerweise lagern die Besitzer ihren Akku bei +15 bis +20 °C.


Bildnachweis: © pixabay.com – sipa

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Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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