Auf die Dauer hilft nur Power: Vom Siegeszug von E-Bikes, Pedelecs & Co

Auf die Dauer hilft nur Power: Vom Siegeszug von E-Bikes, Pedelecs & Co

Im letzten Jahr wurden mehr als 600.000 Stück davon in Deutschland verkauft. Nur fünf Jahre zuvor war es noch rund die Hälfte gewesen, und gegenüber 2009 durfte sich die Branche über ein Umsatzplus von rund 400 Prozent freuen. Die Rede ist von den neuzeitlichen Fahrrädern mit zusätzlichem oder eingebautem Hilfsmotor, die mittlerweile in aller Munde sind und zu einer ernsthaften Alternative zum klassischen Fahrrad geworden sind: Den E-Bikes.

Seit 2015 werden mehr als 300.000 dieser Elektroräder jährlich in Deutschland produziert (2016: 351.500) gegenüber rund 1,6 Millionen klassischer Einheiten – Tendenz steigend. Für ausreichenden Nachschub scheint also gesorgt, die der gestiegenen Nachfrage von Seiten der Hersteller in adäquatem Maße Rechnung getragen wird.

Im letzten Jahr wurden mehr als 600.000 Stück davon in Deutschland verkauft. Nur fünf Jahre zuvor war es noch rund die Hälfte gewesen, und gegenüber 2009 durfte sich die Branche über ein Umsatzplus von rund 400 Prozent freuen. (#01)

Im letzten Jahr wurden mehr als 600.000 Stück davon in Deutschland verkauft. Nur fünf Jahre zuvor war es noch rund die Hälfte gewesen, und gegenüber 2009 durfte sich die Branche über ein Umsatzplus von rund 400 Prozent freuen. (#01)

Die Zeichen der Zeit erkannt

Prognosen gehen gar von einem weltweiten Absatz von über 40 Millionen E-Bikes in sechs Jahren aus. 2014 waren es noch etwas mehr als 20 Prozent weniger gewesen (31,7 Millionen Stück). Der Siegeszug der Elektroräder scheint trotz einer gewissen Fahrradverdrossenheit – so ist die bundesweite Fahrradproduktion insgesamt in den letzten 15 Jahren von drei auf knapp zwei Millionen Einheiten zurückgegangen – nicht mehr aufzuhalten zu sein.

, etliche Händler haben das Potenzial der neuen Radgeneration erkannt und ihr Angebot in diese Richtung umgestellt. Und einige bieten sogar nur noch E-Bikes und Pedelecs an. Doch was ist der Unterschied?

Kleine aber feine Unterschiede

Im Grunde genommen ist die Bezeichnung „E-Bike“ zweideutig. Zum einen fungiert sie im allgemeinem Sprachgebrauch mittlerweile als Oberbegriff für das E-Bike an sich und das Pedelec (Pedal Electric Cycle) zusammengenommen: Als Fahrräder mit zusätzlichem Elektromotor. Andererseits bezeichnet das E-Bike im strengeren Sinne ein Fahrrad mit Elektromotor, das den E-Biker nur beim Treten bis 25 Kilometer pro Stunde unterstützt, und für das kein

  • Versicherungskennzeichen
  • Helm

verkehrsrechtlich vorgeschrieben ist. Außerdem dürfen E-Bikes als Fahrrad (mit Hilfsmotor) im eigentlichen Sinn den Radweg benutzen.

Hinsichtlich der Begriffsbezeichnung wird die Verwirrung perfekt, wenn man davon ausgeht, dass für „E-Bike“ auch die Bezeichnung „Pedelec“ im Sprachgebrauch kursiert. Um eine eindeutige Abgrenzung zur Variante des Fahrrads mit Elektromotor vorzunehmen, das den Fahrer durch einen stärkeren Motor von bis zu 45 Kilometern pro Stunde beim Treten unterstützt, wurde darüber hinaus die Bezeichnung „S-Pedelec“ eingeführt.

Ein S-Pedelec gilt im Gegensatz zum E-Bike rechtlich als Kleinkraftrad, das E-Bike dagegen als Fahrrad. Das S-Pedelec verlangt aufgrund der höheren möglichen Geschwindigkeit nach einer Fahrerlaubnis der Klasse M, wie Das Radhaus informiert. Aber auch E-Bikes, die schneller als 25 km/h fahren, benötigen diese Lizenz, wenn nicht ein Bußgeld auf Grund des Straftatbestands des Fahrens ohne Fahrerlaubnis riskiert wird.

In Abgrenzung zum Verkaufsschlager E-Bike, das den Markt an Fahrrädern mit Elektromotor in Deutschland mit 95 Prozent dominiert, gilt für die fünf Prozent an S-Pedelecs eine rechtliche Verpflichtung des Fahrers zum

  • Erwerb eines Führerscheins der Klasse AM
  • Mitführen eines Versicherungskennzeichens
  • Tragen eines Helms.

Außerdem ist für S-Pedelecs eine Altersgrenze von 16 Jahren vorgeschrieben.

Dem Trend trägt der Fachhandel mit einer entsprechenden Angebotspalette in zunehmendem Maße Rechnung. (#02)

Dem Trend trägt der Fachhandel mit einer entsprechenden Angebotspalette in zunehmendem Maße Rechnung. (#02)

E-Bike versus Pedelec

Pedelecs und S-Pedelecs unterscheiden sich von E-Bikes noch durch den Antrieb: Von elektrischer Unterstützung beim Treten zu profitieren ist kennzeichnend für Pedelecs, E-Bikes dagegen werden tretunabhängig angetrieben.

E-Bikes gelten dabei im Gegensatz zu den Kleinkrafträdern (S-Pedelecs) als

  • Leichtmofa bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von bis zu 20 Km/h
  • Mofa bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit zwischen 20 und 25 km/h
  • Kleinkraftrad ab einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h

Solange der Fahrer über keine allgemeine Fahrerlaubnis verfügt, bedarf ein Führen eines (Leicht-)Mofas einer Mofa-Prüfbescheinigung. Ausgenommen sind Personen, die vor dem 01. April 1965 geboren wurden, die zum Betrieb lediglich einen Personalausweis benötigen.

Für E-Bikes und Pedelecs als Kleinkrafträder gibt es nach einer Novelle der Straßenverkehrsordnung mittlerweile ein eigenes Schild, das ein stilisiertes Fahrrad mit Ladekabel zeigt. Es lässt diese E-Bikes sowie E-Mopeds mit elektrischem Antrieb bis 25 km/h zu.

Video:Lithium-Ionen-Akkus – Zukunft und Gegenwart

Vom Herzstück Akku – Benzintanks moderner Fahrräder

Apropos Ladekabel: Statt Muskelkraft liefern E-Bike-Akkus die nötige Power, die mit Hilfe der Ladekabel quasi aus der Steckdose kommt. Nicht umsonst stellen Akkus das teuerste Bauteil an den modernen Fahrrädern dar, was sich in einem entsprechenden Preis von bis zu 800 Euro niederschlagen kann.

Entgegen früherer Jahre sind heutige Marken-Produkte in punkto interner Sicherheit, Stecker und Ladegerät weitaus robuster und zuverlässiger – solange nicht eigenhändig an den fertigen Systemen herumgebastelt wird und sie nicht vom Fachmann modifiziert werden; und das selbst bei hohen Beanspruchungen wie etwa beim Mountain-Biken im freien Gelände.

Akkuladungen in heutiger Zeit garantieren bei höchster Auslastung von sieben bis zehn Wattstunden Fahrspaß für 20 bis 80 Kilometer Reichweite – je nach Akku-Größe und gewähltem Unterstützungsgrad.

Der Preis eines Akkus wird dabei von Faktoren wie

  • Lebensdauer
  • Ladegeschwindigkeit
  • Ladekapazität (etwa bis zu 500 Wattstunden)
  • Gewicht

bestimmt.

Da Akkus mit sehr unterschiedlichen Spannungen von 24 bis 48 Volt verwendet werden, gibt alleine das Drehmoment in Newtonmeter (Nm) zusammen mit der Wattstunden-Angabe (Wh) die Leistungsfähigkeit eines Akkus objektiv wieder.

Da sich unterschiedliche Hersteller-Systeme als unterschiedlich effizient im Stromverbrauch erweisen, kann sich so die Leistungsfähigkeit von zwei produktverschiedenen Akkus mit gleichem Wattstunden-Wert dennoch voneinander unterscheiden.

Zusätzlich wird die Reichweitenleistung noch maßgeblich von Faktoren wie

  • Zuladung
  • Wegprofil
  • Witterungsverhältnissen und
  • Fahrverhalten

mitbestimmt.

Ist etwa der Reifendruck optimal eingestellt und die Antriebskette ausreichend geschmiert, rollt das Rad unter Energieersparnis leichter als ein wenig gewartetes E-Bike, dessen Akku-Reichweite dann vergleichsweise geringer ausfällt.

Apropos Ladekabel: Statt Muskelkraft liefern E-Bike-Akkus die nötige Power, die mit Hilfe der Ladekabel quasi aus der Steckdose kommt. Nicht umsonst stellen Akkus das teuerste Bauteil an den modernen Fahrrädern dar, was sich in einem entsprechenden Preis von bis zu 800 Euro niederschlagen kann. (#03)

Apropos Ladekabel: Statt Muskelkraft liefern E-Bike-Akkus die nötige Power, die mit Hilfe der Ladekabel quasi aus der Steckdose kommt. Nicht umsonst stellen Akkus das teuerste Bauteil an den modernen Fahrrädern dar, was sich in einem entsprechenden Preis von bis zu 800 Euro niederschlagen kann. (#03)

Akku-Pflege zahlt sich aus

Der Pflegeaufwand eines Akkus an sich hält sich dagegen jedoch in Grenzen. Denn die modernen Lithium-Ionen-Akkus sind bekannt dafür, besonders robust zu sein und ihre Ladung auch über einen längeren Zeitraum vorzuhalten – selbst wenn das E-Bike mal länger unbenutzt in der Garagenecke stehen sollte.

Unbedingt zu achten ist lediglich darauf, dass die Lade-Einheit keinen extremen Temperaturschwankungen ausgesetzt sein sollte, wie sie bei längerem Aufenthalt im Freien durch direkte Sonneneinstrahlung im Sommer und Frost im Winter gegeben sind.

Bei Hitze verschleißen die Zellen schneller, die Lebensdauer sinkt. Damit das verwendete Batterie-Management-System (BMS) – es regelt alle Abläufe im Akku und steuert insbesondere die Betriebstemperatur – dauerhaft nicht mehr als unbedingt nötig beansprucht wird, sollten Akkus trocken und kühl gelagert werden, wenn das E-Bike längere Zeit nicht in Betrieb genommen wird.

Zu einer idealen Akku-Pflege gehören auch

  • Lagertemperaturen zwischen fünf und 15 Grad
  • regelmäßige Ladestand-Kontrolle (alle zwei bis drei Monate)
  • ein Ladezustand zwischen 50 und 80 Prozent (Akkus entladen sich mit der Zeit langsam auch von selbst)
  • das Aufladen bei Zimmertemperatur
  • die ausschließliche Verwendung des originalen Ladegeräts für den Ladevorgang (Selbst, wenn Stecker baugleich sind, können die Spannungen unterschiedlich sein).

Video:Radeln ohne zu schwitzen: Der E-BIKE-CHECK | SAT.1 Frühstücksfernsehen | TV

Für ein langes „E-Bike-Leben“

Um auf Dauer höchste Kapazitätsauslastung zu erzielen, sollten Akkus wie Motoren bei Neu-Fahrzeugen eine Zeit lang geschont werden. Dabei werden sie abwechselnd drei bis vier Mal erst vollgeladen und anschließend jeweils komplett entladen. Erst dann sollten Komplett-Entladungen vermieden, und eher häufiger nachgeladen werden.

Denn: Häufiges Teil-Laden verlängert die Akku-Lebensdauer, Komplett-Ladungen verkürzen sie.

Und: Extrem-Temperaturen verlängern den Ladeprozess und erhöhen den Verschleiß.

Spezielle E-Bike Tankstellen gibt es mittlerweile in größeren Städten und an vielen Radwanderwegen. Sie sind mit vielen gängigen Akku-Typen kompatibel. Je nach Gerät und Kapazität nimmt eine Aufladung dabei zwischen zwei und neun Stunden in Anspruch. An Kosten für eine Aufladung sind etwa zwischen zehn und 15 Cents zu veranschlagen.

Moderat zu fahren, das Bike nicht zu überladen, auf den Reifendruck zu achten, die Ketten regelmäßig zu schmieren und rechtzeitig zu schalten schaffen die besten Voraussetzungen für ein langes Akku-Leben.

Obwohl Akkus selbst bei korrekter Pflege nach gewisser Zeit an Leistung verlieren, sind bis zu 1.000 Ladevorgänge und mehr keine Seltenheit – und das bei unverminderter Leistung.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Golden Shrimp -#01: moreimages -#02:  topae_-#03: _ moreimages

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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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